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Im Laufe der Zeit war der Karneval zu einem Event
für die unteren Bevölkerungsschichten verkommen.
Es kam regelmäßig zu Raufereien und andere
Unsäglichkeiten. Daher musste das Ganze in ordentliche
Bahnen gelenkt werden.
1823 wurde in Köln von der dortigen Bürgerschaft,
ein "fest ordnendes Komitee" einberufen
und eine neue Tradition begründet, mit Rosenmontagszug,
Kappensitzungen, Karnval Prinz und Büttenreden
(ab 1827). Die "Karnevalisierung" der Fastnacht
hatte begonnen.
Die dort üblichen Feiern charakterisieren die
Fastnachtszeit als Zeit, in der die übliche Herrschafts-
Ordnung außer Kraft gesetzt ist.
Es gibt den Kussfreiheit auf der Straße, den
"Elferrat" als Gegenregierung etc. (Der
erste Elferrat wurde übrigens 1829 in Aachen
gebildet.)
Als Herrscher über das Narrenreich wurde in Köln
die Personifikation des "Helden Karneval"
geschaffen der heute im Karnevalsprinzen weiter lebt.
Der "Prinz Karneval" wurde erstmals 1872
proklamiert. Eine Besonderheit des Kölner Karnevals
ist das so genannte "Dreigestirn", das sich
aus Edelmann (Karnevalsprinz), Bauer und Jungfrau
zusammensetzt. Im Rosenmontagszug fahren jedoch bis
heute Bauer und Jungfrau getrennt vom Prinzen mit.
In den ersten Jahren nach der Fastnachtsreform im
19. Jahrhundert nahmen sie überhaupt nur dann
am Rosenmontagszug teil, wenn sie sich thematisch
einbauen ließen. Schon im Mittelalter galt der
Bauer als eines der Glieder des Reiches. Der "Kölner
Bauer" trat 1825 zum ersten mal im Rosenmontagszug
auf. Schwert und Dreschflegel sind Symbole seiner
Reichstreue und Wahrhaftigkeit. Als Stadtbewahrer
trägt er auch die Stadtschlüssel. Die Figur
der "Jungfrau" tauchte bereits 1823 im ersten
Kölner Rosenmontagsumzug auf. Sie gilt als Symbol
der freien und unabhängigen Stadt. In ihren römischen
Gewändern erinnert sie an die in Köln geborene
römische Kaiserin Agrippina.
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Zum
närrischen Dreigestirn wurden Edelmann, Bauer und
Jungfrau erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die berühmten kölschen "Roten Funken"
waren einst eine Stadtmiliz, wegen ihrer leuchtend roten
Uniformröcke wurden sie im Volksmund "Rote
Funken" genannt. Die Soldaten mussten sich allerdings
aus Köln zurückziehen, als 1797 die übermächtigen
Franzosen einmarschierten. Nach dem Napoleon 1815 endlich
geschlagen wurde war Köln allerdings nicht mehr
freie Reichsstadt, sondern gehörte zu Preußen.
Die Kölner Bürger mussten nun für Preußen
ihren Wehrdienst leisten. Die "Roten Funken"
etablierten sich 1823 als Karnevalsverein. Sie trugen
noch die Uniformen aus der Zeit vor der französischen
Besatzung und erinnerten so an die "gute alte Zeit"
vor der "Fremdherrschaft". Sie persiflierten
auch ihre "Heldentaten" im Kampf gegen die
Franzosen (immerhin waren sie vertrieben worden) Aber
auch mit ihrer karnevalistischen Parodie auf die ungeliebten
Preußen eroberten sie sich die Herzen der Kölner
Bevölkerung.
Um sich auch fortan aktiv an dem Kölner Karneval
zu beteiligen, gründeten sie einen "Kölnischen
Funken Verein". Doch schien der neue Verein das
politische Misstrauen der preußischen Obrigkeit
zu wecken. Zu den "Funken" gehört natürlich
auch eine Marketenderin, das beliebte "Funkenmariechen".
Dann gibt es noch die "Blauen Funken"... Sie
tragen Uniformen preußischen Schnitts und mussten
sich das Tragen diese Bekleidung bei Ihrer Gründung
auch ordentlich genehmigen lassen. Uniformträger
waren ja um 1871 noch Respektspersonen. Vorbild dieser
Vereinigung waren die in Köln stationierten Artillerieregimenter.
Auch die Farbe musste entschärft sein, "Preußischblau",
das wäre niemals gegangen. Blümchen Alaaf
und Helau! Rheinischer Karneval Zitat von Blümchen
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