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Der
Schlossvogt zu Trips Der Schlossherr von Trips war
mit anderen Rittern zu einem Kreuzzug ins Heilige
Land aufgebrochen. Seine Angehörigen hatten schon
jahrelang keine Nachricht mehr von ihm erhalten. Familie
und Besitz hatte der Schlossherr in der Obhut eines
vermeintlich treuen Schlossvogtes zurückgelassen.
Je länger aber die Zeit währte, da man ohne
ein Lebenszeichen des Herrn blieb, desto finsterer
wurden die Pläne des scheinbar aufrechten Dieners.
Inzwischen verbreitete sich die Auffassung, der Herr
sei im Kampf gegen die heidnischen Türken gefallen.
Die Gattin des Schlossherrn ließ in ihrer tiefen
Frömmigkeit und ängstlichen Sorge täglich
in der Schlosskapelle eine Messe lesen. Die ungezwungene
Fröhlichkeit der Herrin verwandelte sich allmählich
in Traurigkeit und Melancholie. Immer mehr wurde sie
bedrängt von den unverschämten Annäherungsversuchen
des unlauteren Vogtes. Im Gegensatz dazu stand das
Verhalten eines Edelknaben, der seiner Herrin treu
ergeben war. In einer dunklen Herbstnacht, als die
Stürme mit unheimlichem Getöse über
die alten Schlossmauern dahinrasten, versuchte der
ruchlose Schlossvogt, einen teuflischen Plan durchzuführen,
indem er seiner Herrin nach dem Leben trachtete.
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Er wurde von dem jungen, wachsamen Edelknaben überrascht,
der seine Treue mit dem Leben bezahlen musste. Der bei
seiner Tat ertappte Schlossvogt schlug dem Edelknaben
mit seinem Schwert das Haupt ab und warf die Leiche
in den Schlossteich. Im fahlen Licht der Morgendämmerung
entdeckte das Gesinde den ermordeten Pagen der Schlossherrin
auf der Umfassungsmauer des Schlossteiches sitzend.
In seinen weißen, durchscheinenden Händen
hielt er zum Entsetzen der Schlossbewohner sein abgeschlagenes
Haupt. Als auch der treulose Schlossvogt die Erscheinung
sah, wurde er im gleichen Augenblick von einer unerklärlichen
Unruhe erfasst, wirr fluchend und redend, war er schließlich
dem Wahnsinn nahe und stürzte sich an der gleichen
Stelle, wo der Jüngling zuletzt gesehen wurde,
in die dunklen Fluten des Schlossgewässers. Von
der gleichen Stunde an wurde die leichenblasse Gestalt
des toten Jünglings nicht mehr gesehen. Es währte
nicht lange, da kehrte der vermeintlich verschollene
Schlossherr mit seinen Getreuen aus dem Heiligen Land
zurück und schloss in herzlicher Freude seine treue
Gattin in die Arme. Ein großes Freudenfest auf
dem Schlosse besiegelte die glückliche Heimkehr.
Diese von mir getroffene Auswahl entstammt der Schriftenreihe
"Museumsschriften des Kreises Heinsberg" Nr.7,
"Geilenkirchen - Aus der Geschichte einer Stadt",
Kapitel IV "Heimische Sagen und Erzählungen"
1986
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