|
|
Die
Gebeine der Heiligen Drei Könige liegen im Kölner
Dom Die Heiligen Drei Könige, deren Gebeine man
im Kölner Dom verehrt, sind strikt gesehen keine
Heiligen: ein Heiliger oder eine Heilige muss von
der Katholischen Kirche in einem eigenen Verfahren
dazu erhoben werden und ein solches Verfahren hat
es für die Heiligen Drei Könige nie gegeben.
Auch Könige sind die Herren Kaspar, Balthasar
und Melchior nie gewesen - in der Bibel ist nur von
"Weisen", "Magiern" bzw. "Sterndeutern"
die Rede. Und auch die Namen selber sind erfunden,
sie werden in der Bibel nirgendwo erwähnt; zum
ersten Mal ist in einer um 500 nach Christus in armenischer
Sprache abgefaßten Kindheitsgeschichte Jesu
von den drei Königen Melkon von Persien, Gaspar
von Indien und Baltassar von Arabien die rede, vorher
nicht. Der Evangelist Matthäus, der als einziger
im Neuen Testament von der Anbetung berichtet, erwähnt
mit keiner Silbe, wie die Anbeter heißen, oder
wieviele es überhaupt waren. Daß es drei
gewesen seien, wurde aus den drei Gaben - Weihrauch,
Myrrhe, Gold - nicht ganz wasserdicht zurückgeschlossen
(oder man hat die in der christlichen Mythologie so
wichtige Zahl Drei auf die Anbetung im Stall zu Bethlehem
übertragen). Zu Königen wurden die Sterndeuter
erst in nachträglichen Interpretationen, u. U.
wegen einer mißverständlichen Übersetzung
von "Magier" ("König" meinte
zu Zeiten Jesu etwas ganz anderes als im Mittelalter,
nämlich weit weniger: fast jeder Vasall der Römer
war damals ein "König") oder aber aufgrund
einer Prophezeiung aus dem Alten Testament, wo es
heißt: "Die Könige von Tarsis und
auf den Inseln sollen Geschenke bringen ...".
Nach Köln kamen die Könige bzw. deren Gebeine
im Jahr 1158 auf Veranlassung des Reichskanzlers und
Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel;
|
|
er hatte sie einem Reliquienhändler in Mailand
abgekauft, vielleicht sich auch von den Bürgern
der Stadt Mailand schenken lassen - die näheren
Umstände sind nicht genau geklärt. Die Mailänder
hatten die Reliquien angeblich Ende des 4. Jahrhunderts
selbst als ein Geschenk erhalten, und zwar vom Kaiser
aus Byzanz, wohin wiederum sie aus Palästina gekommen
sein sollen, wo sie die Mutter des Kaisers bei einer
Pilgerfahrt gefunden haben will. Aber was tun die Gebeine
der Sterndeuter in Palästina? So heißt es
etwa in der Bibel, die Weisen seien nach Anbetung in
ihre Heimat, wahrscheinlich das Zweistromland Mesopotamien,
zurückgekehrt, so daß dort auch ihre Knochen
liegen. Und auch die Überführung von Konstantinopel
nach Mailand ist nur in einer posthumen Biographie eines
Mailänder Bischofs erwähnt, der "Vita
Eutorgii", die mehrere hundert Jahre später
ausgerechnet in Köln entstand. Vermutlich hat also
Rainald von Dassel als rechte Hand des Deutschen Kaisers
[Friedrich I. Barbarossa, Anm. MNA] diese Legende einfach
politisch ausgenützt, um im damaligen Streit zwischen
Papst und Kaiser seinem Hern, dem Kaiser, einen Vorteil
zu verschaffen: die Könige, also die weltlichen
Herrscher, waren die ersten, die das Christkind anbeteten,
und haben deshalb, so die Logik Dassels, Vorrecht vor
dem Papst. Daher ist auch klar, warum die Partei des
Papstes keine Eile hatte, durch eine Heiligsprechung
diese Sicht der Dinge zu befördern.
Quelle des Zitats: Walter Krämer, Götz
Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer:
500 kapitale Mißverständnisse, Vorurteile
und Denkfehler von Abendrot bis Zeppelin. Eichborn-Verlag,
Frankfurt, 1996. 8. Aufl., S. 140 f.
151 Sehenswuerdigkeiten im Rheinland weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit
|
|