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Dass
Bad Godesberg weit und breit ein, um nicht zu sagen
das Filetstück im Rheintal ist, davon sind nicht
nur Godesberger überzeugt. Dieser Meinung waren
offenbar bereits zahlreiche Menschen aus der näheren
und weiteren Umgebung, die sich im vergangenen Jahrhundert
- ausgestattet mit viel Geschmack und noch mehr Geld
- hier niederließen, um es sich an Rhein und
Siebengebirge gut gehen zu lassen. Und dass sich später,
als Bonn Bundeshauptstadt und Bad Godesberg - gegen
den erbitterten Widerstand vieler Einwohner - ein
Teil derselben wurde, Diplomaten, Politiker und etliche
betuchte Zeitgenossen sich ihre Wohnsitze vorzugsweise
zwischen Plittersdorf und Mehlem suchten, war ebenfalls
kein Zufall Doch was dem Ort über lange Jahre
Prominenz und Wohlstand gebracht hatte, verursacht
heutzutage schwerwiegende Probleme: Nachdem Parlament
und Ministerien, Behörden, Verbände und
Medien ihre Koffer gepackt haben und Richtung Berlin
abgewandert sind, stehen nicht nur viele Villen leer.
Auch Handel und Handwerk, Gastronomie und Fremdenverkehrsgewerbe,
die jahrzehntelang aus den vollen Töpfen des
Polittourismus schöpfen konnten, müssen
sich auf die neue, noch ungewohnte Lage einstellen.
Das Schlaraffenland-Bewusstsein muss einer neuer Aufbruchstimmung
weichen. Denn Bad Godesberg ist in besonderer Weise
vom Strukturwandel betroffen und muss sich - mehr
noch als andere, die früher nicht ohne Argwohn
auf den südlichen Stadtbezirk geblickt haben
- um eine neue Identität bemühen. Entscheidend
dabei ist, dass die Godesberger ihre in seligen Zeiten
als Diplomatenstadtteil eingeschliffene Mentalität
des "Selbstläufers" rasch überwinden
und sich auf ihre eigentlichen Stärken besinnen.
Insbesondere auf den natürlichen, durch nichts
zu ersetzenden Standortvorteil ihrer Heimat: die traumhafte
Lage am Rhein mit Blick auf die Sieben Berge.
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Dazu gehört aber auch, dass die Godesburg, das
weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes, endlich aus
ihrem Dornröschenschlaf erweckt wird und zu einem
Magneten für Besucher aus nah und fern wird. Dass
dies nicht zum Nulltarif zu haben sein wird, ist hoffentlich
allen Verantwortlichen klar. Aber es ist wohl nicht
zu viel verlangt, dass Politik und Verwaltung im Bonner
Stadthaus tatkräftig, mit angemessenem finanziellen
Aufwand und möglichst mit originellen Ideen daran
mitarbeiten, der Godesburg den ihr gebührenden
Rang zu verschaffen. Ganz abgesehen davon, dass eine
attraktive Godesburg auch den touristischen Stellenwert
der Stadt Bonn insgesamt aufwerten wird. Viel war in
den vergangenen Monaten und Jahren auch vom "Gesundheitsstandort
Bad Godesberg" die Rede. Eigentlich ein nahe liegender
Gedanke für einen historischen Bade- und Kurort,
der sich seiner Traditionen zu entsinnen beginnt. Strahlentherapie,
Einsatz von Lasertechnik gegen Augenleiden, Gefäßchirurgie
und weitere Spezialitäten mehr - die Anfänge
sind gemacht und neue Angebote in Planung. Zu einem
modernen Gesundheitsstandort mit internationalem Anspruch
gehört allerdings mehr als Ärzte und Kliniken.
Um Patienten aus aller Herren Länder an den Rhein
zu locken, muss ein attraktives Umfeld geschaffen werden,
in dem nicht nur Patienten nach allen Regeln der Heilkunst
behandelt werden, sondern wo auch deren Angehörige
sich wohl fühlen. Vielleicht lohnt es sich sogar,
einmal darüber nachzudenken, ob und wie die segensreichen
Wirkungen des Godesberger Wassers neu entfaltet werden
können, das vor zehn Jahren letztmals in Flaschen
abgefüllt wurde. Mit den Pfunden, über die
Bad Godesberg reichlich verfügt, wuchern, neue
Ideen entwickeln und tatkräftig umsetzen. Wenn
die Godesberger daran gemeinsam arbeiten, wird der Wandel
gelingen und zu neuer Blüte führen. Packen
wir's an
Zitat aus General-Anzeiger online
151 Sehenswuerdigkeiten im Rheinland weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit
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